Wenn sich die ersten Blatter golden färben und die Lärchen ihr unverwechselbares Bernsteingewand anlegen, beginnt in Südtirol eine der am sehnlichsten erwarteten Jahreszeiten: die Törggelen-Saison. Diese uralte Tradition verwandelt die Hugel und Täler Südtirols in einen kulinarischen Wanderweg unter freiem Himmel, auf dem man von Buschenschank zu Buschenschank wandert und den neuen Wein mit frisch gerosteten Kastanien geniesst. Wenn du einen Urlaub in den Dolomiten zwischen Oktober und November planst, ist Törggelen ein Erlebnis, das du auf keinen Fall verpassen solltest.
Was ist Törggelen?
Das Wort "Törggelen" leitet sich von "Torggl" ab — dem Südtiroler Dialektwort für die holzerne Weinpresse. Diese Tradition hat tiefe Wurzeln in der bauerlichen Kultur Südtirols: Nach der Weinlese offneten die Bauern ihre Hofe, um Gasten den neuen Wein anzubieten — den sogenannten Nuier oder Suser — begleitet von gerosteten Kastanien und typischen Südtiroler Gerichten.
Es geht dabei nicht nur ums Essen und Trinken: Törggelen ist ein gesellschaftliches Ritual, ein Moment, in dem sich die Gemeinschaft versammelt, um das Ende der Erntesaison zu feiern. Man wandert auf Wegen durch Weinberge und Kastanienwalder, halt an verschiedenen Hofen entlang der Strecke, kostet hier ein wenig und dort ein wenig — in warmer, geselliger Atmosphäre.
Nuier (oder Suser) ist teilweise vergorener Traubenmost — suss, leicht prickelnd und tauschend leicht zu trinken. Er hat einen niedrigen Alkoholgehalt (ca. 4-5%), aber Vorsicht: Seine Susse kann tauschen. Er wird gekuhlt serviert und ist nur für wenige Wochen zwischen Oktober und November erhältlich.
Das typische Törggelen-Menü
Ein Halt bei einem Buschenschank während des Torggelens folgt einer festen Abfolge von Gangen, die alle den neuen Wein begleiten sollen:
Vorspeisen und Aufschnitt
- Südtiroler Speck, dunn aufgeschnitten, mit dunklem Roggenbrot
- Kaminwurzen: traditionelle Südtiroler Rauchwiirste
- Graukase mit Zwiebel und Essig
Warme Gerichte
- Schlachtplatte: gemischter Teller mit Geselchtem, Wursten, Sauerkraut und Knödeln
- Sauerkraut, langsam mit Kummel und Wacholderbeeren geschmort
- Speckknödel in Brühe oder trocken mit zerlassener Butter
Der Abschluss
- Gebratene Kastanien (Keschtn) — der wahre Star des Abends
- Krapfen: Schmalzgebäck gefullt mit Marillenmarmelade, Apfeln, Mohn oder Topfen
- Ein letztes Glas Nuier oder ein lokaler Schnaps
Die besten Törggelen-Wanderwege
Keschtnweg — Der Kastanienweg
Die berühmteste Törggelen-Route führt über den Keschtnweg (Kastanienweg), der sich über etwa 60 km von Vahrn (oberhalb von Brixen) bis Bozen erstreckt und dabei durch jahrhundertealte Kastanienwalder und terrassierte Weinberge führt. Man muss nicht die gesamte Strecke gehen: Viele wählen einzelne Etappen von 2-3 Stunden und halten an den Buschenschanken entlang des Weges.
Empfohlene Etappe: Von Vahrn nach Klausen (ca. 15 km), mit Einkehr bei Hofen rund um Neustift und im Eisacktal.
Eisacktal — Das Herz des Torggelens
Das Eisacktal, weniger als eine Stunde von St. Vigil entfernt, gilt als das Herzstück des Torggelens. Zwischen Brixen und Klausen öffnen Dutzende von Buschenschanken ihre Türen von Anfang Oktober bis Ende November. Die Weissweine des Eisacktals — Sylvaner, Kerner, Muller-Thurgau — gehoren zu den elegantesten Südtirols.
St. Vigil und Gadertal
Obwohl die Törggelen-Tradition in den tiefer gelegenen Weinbaugebieten entstanden ist, bieten mehrere Hofe im Gebiet von St. Vigil und im Gadertal Törggelen-Abende mit lokalen Produkten an. Hier liegt der Schwerpunkt mehr auf Kastanien aus den Nachbartalern und Produkten der ladinischen Tradition.
Wann ist die beste Zeit?
Die Törggelen-Saison dauert in der Regel von Mitte Oktober bis Ende November, wobei die besten zwei Wochen die letzten im Oktober sind:
- Der Nuier hat seinen idealen Garungspunkt erreicht
- Die Kastanien sind auf dem Höhepunkt der Reife
- Die Herbstfarben sind am spektakulärsten
- Die Temperaturen sind noch angenehm zum Wandern (8-15°C)
Kombiniere einen Törggelen-Tag mit einem Vormittag auf der Zipline von Adrenaline Adventures. Im Herbst ist der Flug über die goldenen Lärchen ein visuell unvergessliches Erlebnis. Danach geht es nachmittags zu einem Buschenschank im Eisacktal für dein wohlverdientes Törggelen mit Nuier und Keschtn. Der perfekte Tag.
Die kulturelle Bedeutung des Torggelens
Törggelen ist nicht nur Gastronomie: Es ist ein lebendiges Stück Südtiroler Kultur. Diese Tradition erzählt die Geschichte eines Grenzlandes, in dem sich italienische und germanische Kultur auf einzigartige Weise begegnen und verschmelzen. Die Hofe, die zum Törggelen öffnen, sind oft seit Generationen dieselben, und jede Familie hat ihre eigenen Geheimrezepte für Krapfen oder die perfekte Methode zum Kastanienrosten.
Für die Südtiroler markiert das Törggelen auch den Übergang vom Sommer zum Winter — ein Moment zum Entschleunigen nach den hektischen Monaten der Sommersaison, um die Fruchte der eigenen Arbeit mit Freunden und Familie zu genießen.
Praktische Tipps
- Früh reservieren: Die beliebtesten Buschenschanken sind schnell voll, besonders an den Oktober-Wochenenden
- Bequeme Schuhe tragen: Die Wege zwischen den Hofen führen über Feldwege und durch Wälder
- Warme Jacke mitnehmen: Herbstabende in den Bergen können kühl sein
- Fahrgemeinschaft organisieren: Wer an mehreren Hofen Wein probiert, sollte einen Fahrer einplanen
- Unter der Woche gehen: Weniger Betrieb und authentischere Atmosphäre
Abenteuer + Törggelen: Der perfekte Tag
Vormittag: Treffpunkt in St. Vigil für das Zipline-Erlebnis — 7 Seilrutschen über die Dolomitentälern mit Herbstfarben unter dir. Die frische Herbstluft macht den Flug noch aufregender.
Mittagessen: Kurzer Stopp auf einer Almhütte für ein warmes Gericht mit Bergblick.
Nachmittag-Abend: Fahrt ins Eisacktal (ca. 45 Minuten) zum Törggelen. Wanderung durch die Weinberge, erster Halt am Buschenschank für Speck und Nuier, zweiter Halt für Sauerkraut und gebratene Kastanien, Abschluss mit Krapfen und Schnaps.
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